duvia UPDATE – Unser 1. Quartal 2026

Zwischen all den Prozessen und Projekten, die wir mit duvia begleiten, den Workshops, die wir geben, und den Gesprächen und Begegnungen mit Menschen aus dem Bildungssystem passiert unglaublich viel. Und doch bleibt vieles davon unsichtbar.

Nicht, weil es nicht wichtig wäre, sondern weil genau für das Innehalten und Erzählen oft die Zeit fehlt, da wir meistens schon im nächsten Workshop stehen oder im nächsten Prozess weiterdenken. Gleichzeitig passiert genau dort aber das Entscheidende, wenn in einem Workshop jemand sagt: „So habe ich das noch nie gesehen“, oder wenn ein gemeinsamer nächster Schritt entsteht.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch, dass viel in Bewegung ist, sich Dinge verändern und trotzdem kaum etwas davon nach außen sichtbar wird. Wir merken an dieser Stelle: Wenn wir uns nicht bewusst Zeit dafür nehmen, bleibt genau das unsichtbar, was wir bewirken.

Mit dem ersten duvia UPDATE starten wir 2026 ein neues Format, das unsere Arbeit sichtbarer macht. Regelmäßig geben wir Einblicke in unsere Projekte, teilen Erfahrungen aus der Praxis und zeigen, welche Entwicklungen, Herausforderungen und Fragen uns beschäftigen.

duvia in Zahlen

Zahlen sagen nicht alles, aber sie geben einen Eindruck davon, wie viel in den letzten Wochen und Monaten in Bewegung war.

Unsere Zahlen aus dem ersten Quartal 2026:

Teamer*innen im Einsatz

begleitete Kinder und Jugendliche (davon über 180 wöchentlich)

beteiligte Schulen in ganz Berlin

Veranstaltungen (Workshops, Fortbildungen, Studientage …)


Beteiligte Schulen: Unter anderem an der Kepler-Schule, Johanna-Eck-Schule, Wilhelm-von-Humboldt-Schule, Albrecht-von-Graefe-Schule, Robert-Koch-Gymnasium und Hemingway-Schule.

Zusammenarbeit und Kooperationen: Unter anderem mit der Schulaufsicht Friedrichshain-Kreuzberg, der #JedesKind-Initiative, BLiQ und related e. V.

duvia in Bildern

Eine kleine Auswahl an Impressionen aus den Projekten und Veranstaltungen im 1. Quartal 2026.

Fotos: © Reina-María Nerlich, Mary Ivić und Stipo Zeba / duvia

Was uns bewegt hat

Screenshot: FELD Theater, Quelle: feld-theater.de

Ich bin Gitanjali Schmelcher, Gründungsmitglied von duvia, und arbeite in der Kulturellen Bildung, zurzeit am FELD Theater für junges Publikum.

Das FELD Theater für junges Publikum in Berlin-Schöneberg ist ein Theater der freien Szene mit einem vielfältigen Programm von Musik-, Objekt- und Figurentheater über zeitgenössischen Tanz bis hin zu Performancekunst. Es richtet sich mit experimentellen und partizipativen Formaten an Publikum jeden Alters und legt einen besonderen Fokus auf inklusive Produktionen für hörendes und Taubes* Publikum, etwa durch Deutsche Gebärdensprache und visuelle Erzählformen.

Mich bewegt, wie anders ich Kommunikation gerade denken muss – wie viel genauer ich hinsehen und anders zuhören darf. Am FELD Theater geht Verständigung weit über die deutsche Lautsprache hinaus. Das erfordert neue Aufmerksamkeit. Um mich mit meinen Kolleg*innen wirklich austauschen zu können, lerne ich die Deutsche Gebärdensprache. Gemeinsam reflektieren wir Räume neu aus der Sicht von hörenden und Tauben* Menschen, und ich finde, jede*r sollte die Chance bekommen, diese wertvolle Erfahrung zu machen.

Blick hinter die Kulissen

In einem Workshop, in dem es um die Überarbeitung des Ganztagskonzepts einer Berliner Schule ging, saßen Lehrkräfte zusammen und reflektierten:

„Wir wollen Schüler*innen die ganze Vielfalt des Lebens ermöglichen.“ und „Wir wollen ihre Lebensrealität im Ganztag wirklich mitdenken.“

Immer wieder rückte ein Gedanke in den Vordergrund: Schule muss mehr sein als Unterricht. Ein Ort, an dem sich Schüler*innen gesehen fühlen und an dem sie entdecken können, was in ihnen steckt. Dieser Moment steht für vieles, was uns in den letzten Monaten begegnet ist.

Während wir mit Schulen z. B. daran arbeiten, ihr Ganztagskonzept neu zu denken, lief parallel die Qualifizierung unserer Teamer*innen im Projekt „Demokratiebildung an Schulen“. In dieser geht es nicht nur um Methoden, sondern auch um Haltung und die Frage, wie Räume entstehen, in denen Beteiligung wirklich möglich ist.

3 Fragen an Engin Çatık

Bild von Engin Çatık

© privat

Engin Çatık
Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule

1. Gab es in letzter Zeit einen Moment in deinem Schulalltag, der dich besonders berührt oder nachdenklich gemacht hat?

Eine mündliche Präsentationsprüfung, in der Jugendliche mehr Differenzierungsvermögen gezeigt haben als viele Erwachsene außerhalb der Schule. Es ging um die Auswertung der Kriminalitätsstatistik. Die Jugendlichen haben erkannt, dass die Nationalität oder kulturelle Herkunft keine Antwort auf die Frage liefert, warum jemand kriminell ist. Sie haben erkannt, dass man sich andere Merkmale wie Geschlecht, Alter, Armutsbelastung, Aufenthaltsstatus, Wohnsituation und Traumaerfahrungen anschauen muss, um die Zahlen der Statistik zu verstehen. Wir können viel von den Jugendlichen lernen, oder?


2. Was braucht es aus deiner Sicht konkret, damit Veränderungen an Schulen wirklich gelingen?

Es braucht Menschen im System mit einem Growth Mindset, d. h. Pädagoginnen und Pädagogen, die aus Fehlern lernen, Rückmeldungen als Chance betrachten, Veränderungen offen gegenüberstehen und Herausforderungen lösungsorientiert begegnen. Diese Merkmale, verbunden mit einem positiven Menschenbild, stecken auch andere Personen in der Schule an, sodass daraus ein lernendes System werden kann.


3. Wenn du auf die nächsten Jahre schaust: Was wünschst du dir für Schule und das Bildungssystem?

Wir sollten mehr Wert darauf legen, Kinder und Jugendliche zu zufriedenen Menschen zu machen, indem wir alle Teilaspekte ihrer Identität wertschätzen und zum Wachsen nutzen. Vielfalt ist Chance und Herausforderung zugleich. Der Umgang damit ist entscheidend. Schubladen im Kopf Einzelner werden zu gesellschaftlichen Mauern, die uns langfristig allen schaden werden.

Was wir gerade spannend finden

Titelbild der Broschüre Mythos Neutralität – Demokratie stärken und Haltung zeigen im Schulalltag

Screenshot: Mythos Neuralität Cover. Quelle: www.dvpb.de

Die Broschüre „Mythos Neutralität“ zeigt eindrücklich, warum die Idee politischer Neutralität in Schule oft zu kurz greift und weshalb Haltung im pädagogischen Alltag unverzichtbar ist.

Wir greifen sie immer wieder in Gesprächen mit Pädagog*innen auf, weil sie klarmacht:

Gerade dort, wo es um Demokratie, Diskriminierung und Ungleichheit geht, braucht es nicht Zurückhaltung, sondern Orientierung und Einordnung. Besonders relevant ist sie für Lehrkräfte, Schulleitungen und alle, die Schule aktiv mitgestalten.

Demokratiebildung bedeutet nicht, neutral zu bleiben, sondern Verantwortung zu übernehmen.

Was darüber hinaus noch in Bewegung war

  • Moderation für den Westermann Verlag auf der didacta mit zwei Sessions zum Thema Demokratiebildung im Schulalltag
  • Neue Förderung durch die Schöpflin Stiftung, die es uns ermöglicht hat, unsere Arbeit gezielt weiterzuentwickeln, unter anderem durch einen Teamabend mit related e. V. zum Thema Beziehungsarbeit mit Schüler*innen
  • Weiterentwicklung unserer Workshops zu Antidiskriminierung für die Klassen 1–4

Was all das verbindet: Ob demokratische Schulentwicklung, Demokratiebildung oder Antidiskriminierungsarbeit: Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen. Wir begleiten Schulen dabei, Beteiligung zu stärken, diskriminierungssensible Lernräume zu gestalten und gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften neue Perspektiven für den Schulalltag zu entwickeln. Dabei verbinden wir fachliche Expertise mit Beziehungsarbeit, Partizipation und einer konsequent lebensweltorientierten Haltung.