duvia UPDATE 3. Quartal

duvia UPDATE – Unser 3. Quartal 2026

Zwischen all den Prozessen und Projekten, die wir mit duvia begleiten, den Workshops, die wir geben, und den Gesprächen und Begegnungen mit Menschen aus dem Bildungssystem passiert unglaublich viel. Und doch bleibt vieles davon unsichtbar.

Nicht, weil es nicht wichtig wäre, sondern weil genau für das Innehalten und Erzählen oft die Zeit fehlt, da wir meistens schon im nächsten Workshop stehen oder im nächsten Prozess weiterdenken. Gleichzeitig passiert genau dort aber das Entscheidende, wenn in einem Workshop jemand sagt: „So habe ich das noch nie gesehen“, oder wenn ein gemeinsamer nächster Schritt entsteht.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch, dass viel in Bewegung ist, sich Dinge verändern und trotzdem kaum etwas davon nach außen sichtbar wird. Wir merken an dieser Stelle: Wenn wir uns nicht bewusst Zeit dafür nehmen, bleibt genau das unsichtbar, was wir bewirken.

Unser duvia UPDATE ist ein Versuch, das zu verändern und dich mitzunehmen in das, was uns bewegt, beschäftigt und antreibt, weil wir nicht wollen, dass unsere Arbeit unsichtbar bleibt.

duvia in Zahlen

Zahlen sagen nicht alles, aber sie geben einen Eindruck davon, wie viel in den letzten Wochen und Monaten in Bewegung war.

Unsere Zahlen aus dem dritten Quartal 2026:

Fachkräfte haben wir zum Start des neuen Schuljahres mit unseren Fortbildungen erreicht.

Klassensprecher*innen der Albrecht-von-Graefe-Schule haben an den beiden von uns gestalteten GSV-Tagen teilgenommen.

junge Menschen starten in die neue Runde unserer Qualifizierung zu „Teamer*innen der Demokratiebildung“.

Minuten haben wir seit dem Schuljahresstart allein mit der Vorbereitung unserer Workshops verbracht.

Was darüber hinaus noch in Bewegung war

  • 18 junge Menschen starten ihre Qualifizierung zu Teamer*innen der Demokratiebildung: Mit dem neuen Jahrgang unseres „DaS Projekts – Demokratiebildung an Schulen“ beginnen 18 junge Menschen ihre einjährige Qualifizierung. Gleichzeitig konnten wir im Juli 2026 den erfolgreichen Abschluss von 19 Teamer*innen des vorherigen Jahrgangs feiern. Beim Teamer*innen-Fest am 6. Juli erhielten sie ihre Zertifikate und feierten gemeinsam mit der neuen Generation. Besonders freut uns, dass unsere Absolvent*innen nicht nur weiterhin bei duvia aktiv sind, sondern auch in zahlreichen anderen Projekten und Organisationen Teilhabe fördern, das gesellschaftliche Miteinander stärken und unsere Demokratie mitgestalten.
  • #JedesKind wächst: Die Website ist online, die Geschäftsführung steht und aus dem Bündnis wird Schritt für Schritt eine feste Struktur. Wir freuen uns, als Teil von #JedesKind diesen Weg mitzugestalten und gemeinsam daran zu arbeiten, wirksames Mentoring in Berlin weiter zu stärken.
  • duvia wird Teil des BIB: Nach unserem Aufnahmeprozess sind wir nun Mitglied im Bundesverband Innovative Bildungsprogramme (BIB). Damit gehören wir zu einem bundesweiten Netzwerk von Bildungsorganisationen und gewinnen neue Möglichkeiten für Austausch, Kooperation und gemeinsame Interessenvertretung. Für uns ist das ein wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung von duvia.
  • GSV-Tage an der Albrecht-von-Graefe-Schule: Bei unseren zweitägigen GSV-Tagen beschäftigten sich mehr als 30 Klassensprecher*innen mit den Aufgaben, Rechten und Möglichkeiten der Gesamtschüler*innenvertretung. Gemeinsam entwickelten sie konkrete Anliegen für ihre Schule und gingen der Frage nach, wie aus Ideen tatsächliche Veränderungen werden können. Im Mittelpunkt standen Mitbestimmung, gemeinsame Verantwortung und die aktive Gestaltung des Schulalltags.
  • Workshops und Studientage zu Antirassismus und Antidiskriminierung: Zum Schulstart im August 2026 haben wir eine große Fortbildung mit insgesamt über 70 Pädagog*innen und weiteren Schulakteur*innen durchgeführt. Gemeinsam beschäftigten wir uns mit der Frage, wie Diskriminierung im pädagogischen Alltag erkannt und ihr konkret entgegengewirkt werden kann. Im Mittelpunkt standen das Verständnis unterschiedlicher Diskriminierungsformen und ihrer Verschränkungen, die Reflexion der eigenen pädagogischen Praxis sowie die Entwicklung konkreter Handlungsmöglichkeiten. Dabei richteten wir den Blick nicht nur auf individuelles Verhalten, sondern auch auf diskriminierende Strukturen, Routinen und Ausschlüsse in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.
  • Vortrag zu Armutssensibilität und psychischer Gesundheit: Für das Bezirksamt Neukölln haben wir den Vortrag „Zwischen Resilienz und Realität: Warum Armutssensibilität zentral für psychische Gesundheit in Schule ist“ gestaltet. Darin beschäftigten wir uns kritisch mit der Frage, was es bedeutet, die Resilienz von Schüler*innen zu stärken. Denn nicht jede Belastung sollte einfach besser ausgehalten werden müssen. Stattdessen richteten wir den Blick auch auf gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierung und darauf, wie Schulen junge Menschen unterstützen und ihre Handlungsfähigkeit stärken können.
  • Demokratie und Beteiligung auf der YouthCON 2026: Im September haben wir im Auftrag der Initiative #UseTheNews an zwei Tagen Workshops mit Jugendlichen auf der YouthCON durchgeführt. Gemeinsam beschäftigten wir uns mit Grundrechten, demokratischen Werten und der Frage, warum Demokratie weit mehr bedeutet, als wählen zu gehen. Anhand aktueller gesellschaftlicher Themen und Nachrichten diskutierten die Schüler*innen, wie politische Entscheidungen ihren Alltag beeinflussen und welche Möglichkeiten sie haben, sich selbst einzubringen und Veränderungen anzustoßen.

Was all das verbindet: Unser Einsatz für eine Bildung, die Demokratie und Teilhabe stärkt, Diskriminierung entgegenwirkt und junge Menschen darin bestärkt, ihre Perspektiven einzubringen und Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Ob in Workshops, Fortbildungen oder durch die Qualifizierung neuer Teamer*innen: Wir möchten nicht nur Wissen vermitteln, sondern Menschen und Organisationen stärken, die demokratisches Miteinander gestalten und langfristig Veränderungen ermöglichen.

duvia in Bildern

Eine kleine Auswahl an Impressionen aus den Projekten und Veranstaltungen im 3. Quartal 2026.

Bilder von © Isabella Nadobny und © duvia

Was uns bewegt hat

Amal im Gespräch

© Isabella Nadobny

Was braucht es, damit Schule ein Ort ist, an dem es Menschen gut geht?

Bei unserer Veranstaltung „Back to School – and we want to be alright“ haben wir mit Amal als Schülerin, Denis als Lehrer und Katharina als Therapeutin genau darüber gesprochen.

Uns war dabei besonders wichtig, nicht nur über junge Menschen zu sprechen, sondern ihre Perspektiven selbst zum Teil des Gesprächs zu machen. Denn wenn wir darüber nachdenken, wie Schule gestaltet werden sollte, müssen wir auch diejenigen hören, die einen großen Teil ihres Alltags dort verbringen.

Für Amal stand dabei vor allem ein Gedanke im Mittelpunkt:

„Mir war besonders wichtig, den Erwachsenen mitzugeben, dass Empathie das Wertvollste ist, was man Schülern oder Jugendlichen im Allgemeinen geben kann. Man weiß nie, in welcher Lebenssituation sich jemand gerade befindet. Es klingt vielleicht selbstverständlich, aber letztendlich sind wir alle Menschen. Dabei vergisst man manchmal, dass jeder Mensch seine eigenen Gedanken, Perspektiven und Erfahrungen mit in den Raum bringt. Umso schöner finde ich es, wenn Lehrkräfte diese Menschlichkeit und Rücksichtnahme zeigen. Ich glaube, genau das macht sie für viele Schüler auch zu ihren Lieblingslehrern.“

Gleichzeitig hat der Abend auch ihre eigene Perspektive verändert:

„Ich denke manchmal daran, dass Reina sagte, dass jeder seinen eigenen Rucksack mit sich trägt. Dieser Gedanke ist mir besonders im Kopf hängen geblieben. Da ich fast jeden Tag von Schülern in meinem Alter umgeben bin, versuche ich, mich selbst daran zu erinnern, vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, dass sich jemand merkwürdig verhält. Auch der Lehrer hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Dadurch habe ich noch einmal bewusster wahrgenommen, dass auch Lehrkräfte mehr sind als nur ihre Rolle als Lehrer und dass hinter dieser Rolle noch viel mehr steckt, als ich zuvor bedacht hatte. Es war schön, mir das noch einmal bewusst zu machen.“

Und woran würde Amal merken, dass es den Menschen an ihrer Schule wirklich gut geht?

„Ich würde es daran merken, dass das soziale Miteinander an der Schule einen hohen Stellenwert hat und Werte wie Gemeinschaft, Respekt und Rücksichtnahme gelebt werden. Diese soziale Ebene ist unfassbar wichtig, um eine gute Lernatmosphäre zu schaffen. Schule sollte kein Hindernis oder eine Qual sein, sondern ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, gerne lernt und sich auf bestimmte Fächer, Lehrkräfte und Aktivitäten freut. Auch Raum für offenen Austausch zwischen Schülern und Lehrkräften sowie untereinander über aktuelle und gesellschaftliche Themen gehört für mich auf jeden Fall dazu.“

Amals Gedanken erinnern uns daran, dass Schule weit mehr ist als ein Ort, an dem Wissen vermittelt und Leistung bewertet wird. Es geht auch um Beziehungen, Zugehörigkeit und darum, als Mensch gesehen zu werden. Und genau diese Perspektiven möchten wir in unserer Arbeit immer wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Blick hinter die Kulissen

Und dann ändern wir doch noch einmal alles.

Dienstagabend. Der Workshop am nächsten Morgen ist eigentlich fertig vorbereitet. Eigentlich. Denn beim letzten Durchgehen merken wir: Diese eine Arbeitsphase passt doch nicht so richtig. Also Folie raus, Arbeitsauftrag überarbeiten, Ablauf verschieben. Und plötzlich sieht die Feinplanung wieder ganz anders aus.

Willkommen hinter den Kulissen unserer Prozessbegleitung.

Wir arbeiten nicht mit fertigen Konzepten, die wir einfach von einer Schule auf die nächste übertragen. Jede Schule bringt ihre eigenen Herausforderungen, Dynamiken und Voraussetzungen mit. Deshalb hören wir zunächst genau hin, entwickeln passende Formate und bleiben auch während eines laufenden Prozesses flexibel.

Denn Gespräche verändern den Blick, neue Perspektiven kommen hinzu, und manchmal braucht eine Gruppe etwas ganz anderes, als wir ursprünglich geplant hatten. Das bedeutet auch, eigene Ideen immer wieder zu hinterfragen und sich von Ansätzen zu verabschieden, die auf dem Papier noch so überzeugend waren.

Deshalb planen wir ziemlich genau und ändern unsere Pläne trotzdem immer wieder. Vielleicht ist genau das einer der unsichtbarsten Teile unserer Arbeit: nicht am eigenen Konzept festzuhalten, sondern immer wieder zu fragen, was der Prozess und die Menschen darin gerade brauchen.

3 Fragen an Katharina Müller

Bild von Kaharina Müller

Katharina Müller
Katharina Müller ist Familientherapeutin und Gründungsmitglied von duvia. In ihrer Arbeit erlebt sie, wie eng familiäre Lebensrealitäten und schulischer Alltag miteinander verbunden sind.

Wir wollten von ihr wissen, was daraus für Schule folgt, wie Kinder und Jugendliche besser unterstützt werden können und warum es dafür mehr braucht als engagierte einzelne Lehrkräfte.

© Isabella Nadobny

1) Wie würdet ih1. Du arbeitest als Familientherapeutin mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Welche Rolle spielt Schule in den Gesprächen, die du mit ihnen führst?r die zwei Jahre, die ihr mit eurer Klasse Demokratiebildung gemacht habt, in wenigen Sätzen beschreiben?

Schule spielt immer eine wichtige Rolle, da Kinder und Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit dort verbringen.

In meiner Rolle als Familientherapeutin arbeite ich vor allem mit Familien, die in irgendeiner Form belastet sind und den Status quo verändern wollen, manchmal auch müssen. Die Kinder und Jugendlichen tragen diese Familienthemen und ihre eigenen Themen mit in die Schule.

Für manche ist Schule ein Ort, an dem sie Distanz zu familiären Themen bekommen, und dadurch ein Raum „nur für sich“.

Für andere sind die eigenen oder familiären Themen so belastend, dass sie sich gar nicht erst auf Schule einlassen können oder sogar Schuldistanz entwickeln. Das sind dann oft die Kinder, die als „auffällig“ wahrgenommen werden, vor allem an einem Ort wie Schule, der häufig darauf ausgerichtet ist, dass man mitmacht, funktioniert und Leistung abruft.

Am Ende blicken wir auf zwei sehr wertvolle Jahre mit vielen schönen und auch bewegenden Momenten zurück. Wir haben das Gefühl, den Schüler*innen etwas Wichtiges mitgegeben zu haben. Gerade weil es keinen Notendruck gab und wir viel mit spielerischen Methoden gearbeitet haben, wurde der Unterricht von vielen Schülerinnen mit Freude angenommen.


2. Was brauchen Kinder und Jugendliche aus deiner Sicht, damit Schule ein Ort sein kann, an dem sie sich wohlfühlen und gut lernen können?

Ich denke, dass man sich immer wieder vor Augen führen sollte, dass Kinder in erster Linie als Menschen in die Schule kommen, nicht als Schüler*innen.

Sie bringen Erfahrungen, Themen, Sorgen und Hintergründe mit, die beeinflussen, wie gut sie Leistung abrufen und am schulischen und sozialen Leben teilhaben können. Wenn Eltern sich gerade scheiden lassen, es einen Schicksalsschlag in der Familie gab oder zu Hause nicht klar ist, wie die nächste Rechnung bezahlt wird, kann sich das auf das Stresslevel von Kindern und somit auf ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit auswirken.

Ein empathischer Blick auf Schüler*innen, der sie dort abholt, wo sie emotional gerade stehen, sorgt dafür, dass sich Kinder und Jugendliche gesehen fühlen.


3. Wo stößt Schule dabei an ihre Grenzen, und was müsste außerhalb oder rund um Schule stärker zusammenspielen?

Eine einzelne Lehrkraft kann natürlich Verhalten beobachten, ihre Schüler*innen ansprechen und den Kontakt suchen. Aber aus meiner Sicht braucht es ein multiprofessionelles Team, um Kinder und Jugendliche und ihre Familien in krisenhaften Zeiten gut zu begleiten.

Als Träger der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten wir immer wieder mit Lehrkräften, der Schulsozialarbeit, gegebenenfalls dem therapeutischen Umfeld von Schüler*innen sowie natürlich den Familien zusammen.

Eine multiprofessionelle Zusammenarbeit an Schulen mit einer gestärkten Schulsozialarbeit nimmt die Last von Einzelnen und verteilt sie auf mehrere Schultern.

Oft wird der Unterricht ja schon so gestaltet, dass Kinder zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen und unterstützen. Das sollte im Kollegium auch Standard sein.

Und natürlich spielen strukturelle Themen eine Rolle! Wenn Gelder an den falschen Stellen gekürzt werden, Personal fehlt und einzelne Lehrkräfte immer mehr leisten sollen, wird Teamarbeit zwar einerseits immer wichtiger, aber strukturell auch immer schwieriger.

Was wir gerade spannend finden

Titelbild von „Deutschland, ich küss’ dein Herz"

© WDR/Philipp Pongratz/Nils Reuter/Hintergrund KI-generiert

Zum Anschauen: „Deutschland, ich küss’ dein Herz“ – ARD-Mediathek

Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten über Migration und Zugehörigkeit häufig zugespitzt geführt werden, mögen wir diesen Perspektivwechsel besonders: Die Serie zeigt ein Deutschland, das vielfältig und manchmal widersprüchlich ist. Erzählt durch die Menschen, die hier leben, ihre Geschichten und die Begegnungen miteinander. Und das mit ziemlich viel Humor.

In seiner sechsteiligen Comedy-Reportage reist Tahsim Durgun gemeinsam mit seiner Tante Zeynep quer durchs Land. Sie lebt seit rund 40 Jahren in Deutschland und entdeckt auf dieser Reise viele Seiten des Landes zum ersten Mal.

Zwischen Kleingarten, Fußballstadion, Bauernhof und Ballermann treffen die beiden auf ganz unterschiedliche Menschen und Lebensrealitäten.

Es geht um Herkunft und Zugehörigkeit, um migrantische Familiengeschichten und immer wieder um die Frage, was uns eigentlich miteinander verbindet.

Für uns absolut sehenswert!

„Deutschland, ich küss’ dein Herz“ in der ARD-Mediathek ansehen

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